Für den Sachverhalt, der sich hinter dem Wort Transidentität verbirgt, werden häufig auch die
beiden Begriffe Transsexualität und Transgender verwendet. Jedoch haben alle drei Bezeichnungen
neben dem, dass sie alle drei das Gleiche meinen, noch einen weiteren Punkt gemeinsam: Keiner
dieser Ausdrücke sagt wirklich das aus, was sich hinter diesem Phänomen verbirgt.
Dem Kern noch am nächsten kommt die Bezeichnung Transgender. Denn das englische Wort
Gender bezieht sich von der einen Seite auf das soziale
und psychologische und auf der anderen Seite
auf das anatomische Geschlecht eines Menschen. Und genau diese beiden Punkte gehen bei einem
transgender ausgeprägten Menschen nicht konform. Entweder hat dieser Mensch den Körper eines
Jungen, eines Mannes (anatomisches Geschlecht), denkt, handelt und fühlt sich jedoch wie ein
Mädchen, eine Frau (soziale und psychologisches Geschlecht) oder eben ungekehrt, er hat den
Körper eines Mädchens, einer Frau, denkt, handelt und fühlt sich aber wie ein Junge, ein Mann.
Doch warum bevorzuge ich nun stattdessen auf meiner Webseite die Bezeichnung Transidentität, also ein Wort,
welches viel mehr auf die Identität eines Menschen abzielt als auf das Geschlecht? Der Grund
liegt einfach darin, dass die Bezeichnung Transgender im allgemeinen Gebrauch zwischenzeitlich
leider zu einem Sammelsurium für alle Arten von Abweichungen zum biologischen Geschlecht
verwendet wird. Somit fallen auch zum Beispiel Transvestiten oder Fetischisten, die einfach nur
irgendwelche Art von Kleidung des anderen Geschlechts bevorzugen, in den Bereich Transgender,
die aber überhaupt nichts mit der Problematik der Transidentität gemein haben.
Auf die Unterschieden zwischen Transidentischen und Transvestiten gehe ich gleich noch näher
ein, weil vom Äußeren her sind für Menschen, die nichts oder nicht viel über diese Themen
wissen, also dem Großteil der Bevölkerung, häufig keine Unterschiede erkennbar.
Als Drittes gehe ich nun auf die Bezeichnung Transsexualität ein und warum ich sie nicht oder ungern verwende. Obwohl sie nicht nur in
Deutschland die bekannteste und gebräuchlichste für die hier erläuterte Problematik ist. Jedoch
verwende ich selber sie nur, sofern ich damit mögliche Missverständnisse umgehen oder ausräumen
kann oder um damit den Begriff Transidentität greifbar zu machen. Denn der darin enthaltene Wortstamm
Sexualität in diesem Zusammenhang ist so etwas von total falsch am Platze!
Transidentität hat nichts mit Sexualität oder der sexuellen Ausrichtung eines Menschen zu tun -
zumindest nicht, was allgemein darunter verstanden und gemeint und vom Duden auch als Definition
dafür ausgewiesen wird.
Zitat http://duden.de:
"Sexualität, die; ...
Gesamtheit der im Geschlechtstrieb begründeten Lebensäußerungen, Empfindungen u.
Verhaltensweisen ...". Bei einem transsexuellen Menschen müsste es sich demnach um jemanden
handeln, bei dem die Gesamtheit der
Geschlechtstriebe
Bedeutung laut ebenfalls http:duden.de:
"Geschlechtstrieb , der; ... Trieb, der alle Verhaltensweisen auslöst u. steuert, die darauf abzielen, einen Geschlechtspartner, eine Geschlechtspartnerin zu suchen und sich mit ihm, mit ihr [zum Zwecke der Fortpflanzung] zu vereinigen. ..."
nicht im Einklang zum anatomischen Geschlecht steht.
Aber der Geschlechtstrieb und Transsexualität sind zwei voneinander nicht unbedingt in Bezug stehende Dinge; und in ihrer Gesamtheit schon gar nicht. Denn der Geschlechtstrieb beinhaltet
u. a. die Fortpflanzung; siehe hierzu auch die weitergehende Info weiter vorne zu dem Wort Geschlechtstrieb. Zwar sind zur Fortplfanzung rein
biologisch bedingt beim Menschen und den meisten anderen Lebewesen ein Männ und eine Frau nötig. Dabei zählen jedoch die Geschlechter der Beteiligten nur in ihrer Gesamtheit, dem Paar.
Betrachtet man aber hierbei nur die einzelnen Individuen für sich, ist es einerlei, dass die Frau eine Frau und der Mann ein Mann sind. Somit sehe ich einen fatalen Fehler darin,
zwischen Transidentität und der Fortpflanzung einen direkten Zusammenhang herstellen zu wollen. Transidentität impliziert nur das Geschlecht der transidentischen Person selber,
nicht die Auswirkungen auf das Zusammenspiel mit der Umwelt oder diese ansich. Und mit dem Liebesleben und den Liebespraktiken hat Transidentität schon gar nicht zu tun. Es gibt genauso
heterosexuell, wie auch homo- und bisexuell veranlagte Transidentische, wie es bei Nichttransidentischen der Fall ist. Dass die prozentualen Anteile da bei Transidenten anders als bei
Nichttransidenten sind, vermute ich, liegt nicht an der Transidentität selber, sondern an dem Punkt, dass transidentisch veranlagte Menschen ihre Kindheit, fast generell ihre Jugend und
meist auch noch lange das Erwachsenenleben entsprechend dem anatomischen Geschlecht aufgewachsen sind und erzogen wurden, wodurch sie sich eben auch sexuell entsprechend diesem Geschlecht
orientierten. Ferner werden dabei sicherlich auch die ab Beginn der Geschlechtsreife produzierten, falschen Hormone eine Rolle
spielen.
Die Hormone sind aus dem Grund falsch, weil Hormone natürlich vom Körper entsprechend der Anatomie des Transidenten produziert werden. Somit erzeugt ein transidentisches Mädchen
männliche und ein transidentischer Junge weibliche Hormone für sich. Denn das zuzuordnende Geschlecht bei transidentisch veranlagten Menschen ist wider der Anatomie; siehe auch
Anmerkungen hierzu im weiteren Seitenverlauf.
Aus obig aufgeführten Gründen bevorzuge ich deshalb den Ausdruck Transidentisch. Obwohl, sehr wohl ist mir dabei auch nicht,
denn ich haue mit diesem Wort genau in eine Kerbe, mit der von Seiten der deutschen Gesetzgebung
und der Weltgesundheitsbehörde (WHO) diese ganze Problematik fälschlicherweise ziemlich eindeutig
als Geisteskrankheit erklärt wird. (Näheres hierüber siehe auf der Unterseite
Thema Transidentität →
Die gesetzliche Situation
)
Jedoch halte ich diesen Nachteil für den kleinsten bei der Wahl der gegebenen Wörter. Die bei den beiden
anderen wiegen meines Erachtens nach schwerer. Aber ich weise an dieser Stelle ausdrücklich
darauf hin, dass die Vermeidung des Wortes Sexualität in diesem Bezug nicht heißt, dass
Transidentische kein sexuelles Empfinden haben oder dieses nicht ausleben oder noch schlimmer,
eine abartige Sexualität haben. Ein Gedanke, der leider häufig in diesem Zusammenhang aufkommt
und einen Teil von uns Betroffenen schon so weit gebracht hat, wieder das völlig im falschen
Wortstamm liegende Wort Transsexualität zu verwenden.
Doch nun endlich zur eigentlichen Kernfrage dieses Abschnitts, was ist Transidentität überhaupt? Bei meinem Versuch, die hierfür verwendeten Bezeichnungen zuerst einmal generell abzuklären,
sind ja schon in groben Zügen die Definition davon und die Beschreibungen der Problematik sowie ihren Äußerungen durchgeschienen. Ein/e Transsexuelle/r ist
jemand, bei der / bei dem der biologische Körper geschlechtsspezifisch nicht zum inneren Wesen, also dem Denken
und Handeln, passt. Anders ausgedrückt ist es nach körperlichen Aspekten (von den Geschlechtsorganen
und auch optisch) ein Mann mit weiblichen Gehirn oder umgedreht, eine Frau mit männlichen Denkweisen
und Empfindungen.
Damit keine Missverständnisse aufkommen, damit meine ich nicht
Männer, die ein sehr feminines Gehabe an den Tag legen, oder Frauen, die sehr "robust"
durch die Welt gehen. Das sind Menschen, die mit ihrer Geschlechterrolle in der Regel sehr
zufrieden sind und außer ihrer Art keine Gemeinsamkeiten mit dem jeweils anderen Geschlecht
haben. Transidentische Menschen sind welche, die von ihrem gesamten Inneren her dem des Körpers
widersprechenden Geschlechts zuzuordnen sind und sich mit ihrer durch den anatomischen Körper zugeordneten
Geschlechterrolle auch nicht identifizieren können. Wobei Letzteres mehr oder weniger intensiv
ausgeprägt sein kann und vielfach überhaupt von dem Bewusstsein und das Wissen über die eigene
Transidentität abhängt.
Bei einem transidentisch ausgeprägten Menschen passen also das Gehirn als Zentrale des Denkens, Handelns und Empfindens
nicht zu dem anatomischen Körper und der damit zugeordneten Geschlechterrolle. Die meisten Mediziner und daher leider auch die Gesetzgebung sehen es unter dem Aspekt, dass der Fehler
im Gehirn liegt (krass ausgedrückt es als Geisteskrankheit ausweisen) und mit dem Körper schon alles seine
Richtigkeit hat. Doch wenn das wirklich der Fall wäre, wären komplett alle Menschen
geisteskrank. Denn weder das weibliche Gehirn einer transidentischen
Frau
Das einem transidentischen Menschen zuzuordnende Geschlecht ist immer das gefühlte Geschlecht und nicht das anatomische, welches bis zum Erkennen der eigenen Transidentität gelebt wurde und sogar häufig anschließend noch wegen Familie, Verwandten, Bekannten, Job etc. zumindest nach Außen hin gelebt wird. Eine transidentische Frau verfügt also über weibliches Denken und Handeln, hat aber einen männlichen Körper.
unterscheidet sich von dem weiblichen Gehirn einer anatomischen Frau, noch tut es das eines transidentischen
Mannes
Das einem transidentischen Menschen zuzuordnende Geschlecht ist immer das gefühlte Geschlecht und nicht das anatomische, welches bis zum Erkennen der eigenen Transidentität gelebt wurde und sogar häufig anschließend noch wegen Familie, Verwandten, Bekannten, Job etc. zumindest nach Außen hin gelebt wird. Eine transidentischer Mann verfügt also über männliches Denken und Handeln, hat aber einen weiblichen Körper.
gegenüber dem eines anatomischen Mannes. Salopp ausgedrückt handelt es sich nur um einen
"Verpackungsfehler". Denn ähnlich einer Dose Erbsensuppe, die versehentlich die Verpackung von
Bohnensuppen erhalten hat, hat das Gehirn eines transidentisch geprägten Menschen nur den anatomisch
falschen Körper bekommen. Also ein reiner
Verpackungsfehler. 
(Diese Ausdrucksweise bitte weder religiös gotteslästernd, noch anderweitig anstößig oder missbilligend
verstehen, sondern ausschließlich als scherzhaftes Sinnbild.) Aber ändert der Körper nichts an
der Denkensweise und dem Wesen eines Menschen, welches doch durch das Gehirn geprägt wird. Und das
bleibt in seinen Festen genauso dem nicht zur Anatomie passenden Geschlecht
verbunden
Anmerkung:
Selbstverständlich wird durch den anatomischen Körper und die damit verbundene
Geschlechterrolle das Wesen eines Menschen schon etwas geprägt und ein/e Transidentische/r verhält
sich zumindest bis zum Erkennen der eigenen Transidentität doch fast immer mehr oder
weniger entsprechend dieser Rolle. Doch genau diese durch Erziehung, Umwelt und
nicht zuletzt auch wegen der Unkenntnis über die eigene Transidentität
aufgezwungene, nicht zum Wesen passende Geschlechterrolle führt in extrem vielen Fällen zu
psychischen Problemen.
Dieses durch Erziehung und Geschlechterrolle zugewiesene Verhalten ist in der Regel aber
nur oberflächlich und verpufft quasi, kaum dass die betroffene Person sich
über die eigene Transidentität bewusst geworden ist bzw. überhaupt erst einmal
Kontakt mit dem Thema bekommen hat. Ab dann beherrscht
das gefühlte Geschlecht diese Person immer mehr. Erziehungs- und Umweltvorgaben
aufgrund des anatomischen Geschlechts, mit dem sie sich sowieso nie wirklich
identifizieren konnte, werden soweit möglich dem des gefühlten Geschlechts (dem
WIRKLICHEN Geschlecht) angepasst.
;
wie die Erbsensuppe aus dem obigen Vergleich eine Erbsensuppe bleibt, auch wenn es laut Verpackung eine Bohnensuppe sein soll.
Aufgrund dessen, dass ein transidentisch veranlagter Mensch selbstverständlich auch die Kleidung
seines inneren Geschlechts bevorzugt, denn das ist ja das Geschlecht, welches er empfindet,
kommt in dem Zusammenhang die Frage auf, ob ein Transvestit nicht auch als transidentisch bezeichnet
werden kann? Bevor ich nun auf die Begründung dazu eingehe, gleich anfangs die klare Antwort zu dieser Frage: Nein, ein Transvestit ist kein Transident!
Auch wenn das Nein wirklich sehr deutlich ist, ist es in der Praxis leider gar nicht so leicht und vereinzelt sogar überhaupt nicht festzustellen, ob ein Mensch nun transidentisch oder
transvestitisch motiviert ist. Wie in meiner Geschichte (
Mein Weg zum Heute
) zu lesen ist, hatte sogar ich selber als Betroffene Jahrzehntelang angenommen, ein Transvestit zu sein. Wobei diese Annahme meinerseits komplett auf Unwissenheit über
das Thema Transidentität überhaupt beruhte und nicht an der Unterscheidungsproblematik ansich.
Aber selbst für Fachleute und wissentlich Betroffene ist die Zuordnung eines Menschen oder sich selbst als Transidentisch oder Transvestit
nicht immer zweifelsfrei möglich, weil sich Beides nur in der Psyche, also optisch nicht nachvollziehbar, abspielt. Doch gerade weil optisch keine oder zumindest keine großen Unterschiede
zwischen Transidentität und Transvestismus bestehen, resultieren daraus die wohl mit Abstand meisten Missverständnisse und Falscheinschätzungen bei den Mitmenschen. Denn was die Kleidung
betrifft, zählt einzig die grundverschiedenen Motivationen, die einen Menschen mit anatomisch männlichen Körper, der bevorzugt weibliches Outfit trägt, zum Transvestiten oder zum
Transidenten machen. Während ein Transvestit mit dem Tragen von weiblicher Kleidung nur gerne seine weibliche Ader von Zeit zu Zeit ausleben möchte, sich sonst aber komplett als Mann
fühlt und es auch gerne ist, möchte ein Transident mit der weiblichen Kleidung seine Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht nur komplettieren. Denn anders als beim Transvestiten ist bei
einem Transidenten dieses Outfit nur Teil eines Ganzen. Er legt Wert darauf, dass auch in anderer Hinsicht (s)eine Weiblichkeit ausgedrückt wird: der Wunsch
einer Anrede mit dem im Regelfall selbstgewählten, weiblichen Vornamen sowie bei Gesprächen unter Dritten und einem Bezug auf ihn die Verwendung des weiblichen Personalpronomens
»sie« statt dem männlichen »er« und ähnliches. Auch wird von der Mehrheit der transidentischen Menschen eine geschlechtsangleichende
Operation
Bei der geschlechtsangleichenden Operation (kurz GAOP) werden soweit nötig und medizinisch machbar die anatomischen Geschlechtsmerkmale die dem gefühlten Geschlecht angepasst.
Bei einem Frau-zum-Mann-Transidenten werden also z. B. die weibliche Brust, Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter entfernt und die Vagina durch einen aus Gewebe anderer Körperregionen
hergestellten und mit Silikon gefüllten Penis ersetzt. Bei einem Mann-zur-Frau-Transidenten werden u. a. Penis, Hoden und Samenleiter entfernt. Anschließend bekommt sie eine Vagina.
Das Bilden einer weiblichen Brust bei einem MzF-Transidenten ist nicht Teil der GAOP, weil diese durch hormonelle Behandlung erreicht wird. Die GAOP ist eine sehr aufwendige,
große Operation, die bei Mann zur Frau mindestens zwei, bei Frau zum Mann mindestens drei mehrstündige Eingriffe erfordert und in Deutschland leider nur von ganz wenigen
Kliniken gemacht wird. Auch ist die Operation mit Risikien verbunden, die wegen des Aufbaus des Penises vor Allem bei der Frau-zum-Mann-GAOP nicht unerheblich sind.
angestrebt, welche die Zugehörigkeit zum gefühlten Geschlecht dann schließlich auch im Bereich der äußeren Anatomie vollenden soll.
Warum ich bei der Gegenüberstellung Transident zu Transvestiten bisher nur auf das (anatomisch) männliche Geschlecht eingegangen bin? Nun, der Grund liegt ganz einfach darin, dass
laut Duden nur Männer Transvestiten sein können.
(→
duden.de
)
Wobei ich es als maßlos überheblich finde und der Kiste »mittelalterliche Denkweise« zuordne, das Transvestitische als nur männlich anzusehen. Es gibt mit Sicherheit auch
viele Frauen, die aus dem Aspekt Fetisch heraus gerne männliche Kleidung tragen, also genau das, was Transvestiten ausmacht. An dieser Stelle einen kurzen Gruß an den Duden-Verlag
in Mannheim mit dem Tipp, diesbezüglich doch einmal eine Überarbeitung zur nächsten Auflage in Erwägung zu ziehen. Doch das jetzt nur nebenbei und nicht zum Thema gehörend.
Als Fazit und Abschluss dieses Absatzes lässt sich festhalten, dass transidentisch veranlagte und transvestitisch geprägte Menschen keinesfalls in einen Topf geworfen werden dürfen.
Ich habe ja auch gleich zu Beginn diese Themenfrage deutlich mit Nein beantwortet. Aber ohne Berücksichtigung anderer Aspekte als nur die Vorliebe bestimmter Kleidung lässt sich
keine Zuordnung vornehmen; eben weitere Aspekte, die in einer für transidentische Menschen typischen Ausrichtung bei einem Transvestiten niemals vorkommmen.